Erinnerung mit Tunnelblick: Die alte Tribüne des Münchner Flughafens erlaubt den Blick auf die Geschichte des Ortes, über die viel Gras gewachsen ist
Messestadt Riem am westlichen Ende des großen Parks:
Zu den letzten Resten des Münchner Flughafens gehört ein Teil der alten Tribüne. Die verbliebenen Stufen umspannen nicht mehr das Rollfeld, sondern führen am Park und an Wohnhäusern vorbei. Die Aura des Monumentalen haben sie verloren. Grasbewachsene Tribünenteile verschwinden zwischen wuchernden Büschen und neu gepflanzten Bäumen. Am südlichen Ende der Tribüne steht der Kopfbau, die alte Kassenhalle. Am nördlichen Ende bricht die Tribüne abrupt ab, gleich gegenüber entstand ein neuer Schulcampus und ein Gewerbegebiet.
An der Abbruchkante der Tribüne wollten die Planer vom Büro Pool Leber Architekten nicht einfach das Gelände anschütten, sondern mit einer tunnelartiges Öffnung den Blick ins Innere freilegen. So zeigen sich im bergwerksartigen Schacht weite, sich endlos wiederholende Bögen der Unterkonstruktion des über einen Kilometer langen Bauwerks. Allerdings scheint das einfallende Tageslicht nicht sehr weit in den Tunnel hinein, weshalb die Planer für spätere Beleuchtung oder Projektionen schon mal einen Stromanschluss vorgesehen haben.
Wir haben da noch einige Leichen im Keller
An dieser Stelle stößt man dann unweigerlich auf die Geschichte des ehemaligen Flughafens München Riem, der im Nationalsozialismus von 1937 bis 1939 errichtet wurde. Und gerade dabei spielte die damals noch wesentlich größere Tribüne, die bis an den heutigen Tower heranreichte, eine zentrale Rolle.
Der Flughafen war von Anfang an auch als Instrument der Nazi-Propaganda angelegt, und die Tribüne war das Stadion der Lüfte, in dem das NS-Regime zeigen konnte, dass Deutschland bei der zu der Zeit sich rasant entwickelnden Luftfahrt wieder vorne mit dabei war. Zugleich ging es darum, junge Männer als Kampfpiloten zu rekrutieren. Kaum war der Flughafen fertiggestellt, begann Hitler den Krieg gegen Polen und der geplante Zivilflughafen wurde militärisch genutzt. Und damit begann hier ein ganz spezieller Horror, über den viel Gras gewachsen ist.
Von der Natur zurückgeholt: die alte Flughafen-Tribüne – der Zugang ist wegen Baufälligkeit gesperrt
Tunnelausgang am nördlichen Ende der Tribüne
Lichttest in den Unterbau der alten Flughafen-Tribüne im April 2026. Wäre dies ein geeigneter Ort, um die Geschichte des Areals zu erzählen? Zumindest die Nähe zum Schulcampus wäre eine gute Voraussetzung.
War hier was? Einfach mal draufhalten.
Projektionen auf die Fassaden der Messestadt.
2025: Aktion mit mobilen Beamern zum 80. Jahrestag der Luftangriffe 8. und 9. April 1945, bei denen viele Häftlinge des KZ-Außenlagers Riem am Flughafen ums Leben kamen. Die SS-Mannschaften hatten sie ins offene Gelände geschickt.








