Gestern Flughafen - heute Messestadt

Die ereignisreiche Geschichte des Flughafens München Riem umfasst 53 Jahre. Erbaut 1937-1939 im Nationalsozialmus, zog der gesamte Flughafen im Jahr 1992 ins Erdinger Moos. Es gibt es viele Stationen, Geschehnisse und Veränderungen, die den Ort geprägt haben.

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Der Kopfbau, die Kassenhalle der ehemaligen Flughafentribüne, ist eines der wenigen öffentlich zugänglichen Gebäude des Flughafens. Ein Kunstprojekt führte zu dessen Wiederbelebung. 

Der Flughafen während des Krieges

Kaum war der Flughafen fertiggestellt, begann Hitler den Krieg gegen Polen, und der geplante Zivilflughafen wurde militärisch genutzt. In der späten Phase des 2. Weltkrieges wurde der Münchner Flughafen strategisches Angriffsziel der Alliierten. Um die zerbombten Landebahnen und Rollfelder zu reparieren und Blindgänger zu entschärfen, wurden Häftlinge aus dem KZ Dachau in einem Außenlager am Flughafen als Zwangsarbeiter eingesetzt. Und damit begann hier ein ganz spezieller Horror, über den viel Gras gewachsen ist.

Da dieses dunkle Kapital im Stadtteil nicht sichtbar und deshalb auch meist unbekannt ist, setzte sich das Projekt TIMELINE 2022 und 2023 damit auseinander. Wie geht es nun weiter?

Das dunkle Kapitel: 2. Weltkrieg

Der Flughafen München-Riem war während des Zweiten Weltkrieges strategisches Ziel alliierter Luftangriffe. Mehrfach wurden Rollbahnen und Werkstätten zerstört. Um den Flugverkehr aufrecht zu erhalten, mussten Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten verrichtet, Bombenkrater eingeebnet und eine neue Start- und Landebahn gebaut werden. Diese Arbeiten standen unter der Aufsicht der Organisation Todt (OT) und wurden von Häftlingen des KZ Dachau geleistet. Im Februar 1943 kamen die ersten 600 Häftlinge aus dem KZ Dachau nach München-Riem. Etwa 2 km vom Flugplatz entfernt wurde ein Außenlager in den Pferdeställen der SS-Reitschule eingerichtet. Die Stallungen waren mit Stacheldraht umzäunt und von Posten bewacht.

Die Zahl der Häftlinge schwankte stark. Ende 1944 waren es nur mehr 300 Häftlinge und für die Jahreswende 1944/45 gab ein Überlebender die Zahl mit 100 an. Sicher ist, dass Ende März, Anfang April 1945 nach den Evakuierungen von Außenlagern des KZ Natzweiler, Neckarelz, Neckargerach und Moosbach mehrere hundert Häftlinge in das Außenlager München-Riem überstellt wurden. Am 26. April 1945 befanden sich dort 1543 Häftlinge. Damit gehörte es neben dem Außenlager München-Allach zu den größten KZ-Außenlagern in München. Mit dem drastischen Anstieg der Häftlingszahl verschlechterten sich die Lebensbedingungen in der ehemaligen Reitschule sehr. Im Außenlager München-Riem befanden sich vor allem Häftlinge aus Russland, Polen, Frankreich, Italien und dem Deutschen Reich. Unter ihnen waren auch etwa 200 Sinti und Roma und eine unbestimmte Zahl von Juden.

Ehemalige Häftlinge beschrieben die Verpflegung durch eine Lagerküche innerhalb der Stacheldrahtumzäunung als sehr unzureichend. Morgens erhielten sie nur dünnen Kaffee, mittags wässrige Kohl- oder Kartoffelsuppe und abends wieder Kaffee und ein Stück Brot.

Viele Häftlinge waren unterernährt und von den schweren Erdarbeiten geschwächt. Wer krank oder arbeitsunfähig war, wurde in das KZ Dachau zurückgebracht. Wer auf dem Weg zur Arbeit zusammenbrach, wurde von den Bewachern unerbittlich mit Schlägen angetrieben. Ein Krankenrevier existierte nicht.

Bei Fliegeralarm brachte sich die SS-Lagermannschaft in Schutzräumen in Sicherheit; für die Häftlinge wurden keine Maßnahmen getroffen. Stattdessen wurde das Lagertor geöffnet und den Häftlingen befohlen, sich in der Umgebung zu verstecken. Wer nicht sofort nach Ende der Luftangriffe wieder im Lager erschien, wurde gesucht und erschossen. Die Häftlinge nutzten die Gelegenheit, das Lager zu verlassen, um auf den umliegenden Feldern nach Kartoffeln zu suchen oder bei Bauern Essen zu organisieren. Fanden die Wachmänner bei den Rückkehrern Lebensmittel, wurden die Verdächtigen ohne Umschweife wegen Plünderung erschossen. Mehrfach kamen Zivilisten nach Luftangriffen in das Lager, um bei der Lagerführung Lebensmitteldiebstähle oder Betteln anzuzeigen. In diesen Fällen wurden die Verdächtigen meist sofort auf dem Appellplatz erschossen. Im Februar oder März 1945 wurden so 20 russische Häftlinge durch Genickschuss ermordet. Trotz der drakonischen Strafen gab es Fluchtversuche. Die Mehrzahl von ihnen endete mit der Erschießung der Geflohenen.

Größte Gefahr und häufigste Todesursache waren die alliierten Luftangriffe. Bei der Bombardierung am 9. April 1945 wurden mindestens 41 Gefangene getötet und weitere 40 verwundet. Ein ehemaliger Häftling berichtete, dass nach den Luftangriffen Verwundete von den SS-Mannschaften erschossen wurden.

Quelle: Sabine Schalm, München-Riem (OT-Lager), in: Wolfgang Benz/Babara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band II: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005, S. 442-445. Erschienen ist der Band beim C. H. Beck Verlag in München.